Der Stifter

Emil Possehl

1850 wird Emil Possehl als erster Sohn des Lübecker Kaufmanns Ludwig Possehl in der Beckergrube geboren. In seinem Elternhaus werden auch die Geschäfte der Firma L. Possehl & Co., einer Eisen-, Blech- und Kohlenhandlung, abgewickelt. Bis heute befindet sich hier der Sitz der Unternehmensgruppe. 1873 tritt Emil Possehl in den väterlichen Betrieb ein und ist wenige Jahre später größter Erzhändler Europas. Durch den Zukauf von Unternehmen aus dem produzierenden und verarbeitenden Gewerbe in Russland, Schweden und Norwegen wird aus dem Lübecker Kaufmann ein Industrieller, dessen Verbindungen von Europa bis nach Übersee reichen. Unter seiner Führung steigt der Warenumsatz um das Fünfzigfache. Als Emil Possehl 1915 sein Testament macht, wird sein Vermögen auf 100 Mio. Mark geschätzt.

Von Zeitgenossen wird Emil Possehl als schroff und abweisend geschildert. Seine ungewöhnliche Arbeitskraft lässt ihn unbeirrbar seine Ziele verfolgen. Als Unternehmer zeichnet er sich durch Diszplin und Weitblick aus. 1901 wird er in den Lübecker Senat gewählt, eine Auszeichnung, die ihm viel bedeutet hat. Im Rahmen seines politischen Engagements setzt er sich für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ein und zählt zu den Initiatoren des Elbe-Lübeck-Kanals.

Es entspricht Emil Possehls hanseatischem Selbstverständnis, bereits zu Lebzeiten an die reiche Tradition des Stiftungswesens in Lübeck anzuknüpfen, die in die Blütezeit der Stadt im Mittelalter zurückreicht.
Da seine Ehe mit der Schauspielerin Wilhelmine Schönherr kinderlos bleibt, setzt er in seinem Testament die Possehl-Stiftung zur Erbin seines gesamten Firmenvermögens ein. Sie soll der „Förderung alles Guten und Schönen in Lübeck“ dienen. Emil Possehls Testament entsprechend trägt der Stiftungsvorstand Sorge für die Vermögenserhaltung und Vermögensverwaltung des Unternehmens. So hat der Stifter weitsichtig die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass der Fortbestand seiner Unternehmensgruppe gesichert und gleichzeitig die Unternehmenserträge seiner Heimatstadt zu Gute kommen können.