Doris Salcedo erhält den ersten Possehl-Preis für Internationale Kunst

Die kolumbianische Künstlerin Doris Salcedo erhält den ersten Possehl-Preis für Internationale Kunst

Doris Salcedo

Die international renommierte Künstlerin Doris Salcedo (*1958) beschäftigt sich in Objekten, Skulpturen und großen ortsspezifischen Installationen mit den Auswirkungen von Gewalt und Ausgrenzung in ihrer Heimat Kolumbien und anderen Regionen der Welt. Salcedo findet, so die international besetzte Jury, „für politische Herrschaftssysteme, Rassismus und systematische Ungleichbehandlungen poetische Bilder“, und ihr Werk sei „von höchster Relevanz für unsere Gegenwart.“ Sieben Künstlerinnen und fünf Künstler aus neun Nationen waren im Vorfeld von einem ebenfalls international besetzten Vorschlagsgremium nominiert worden. Die erste Einzelausstellung Salcedos in Deutschland wird vom 7. September bis 3. November 2019 in der Kunsthalle St. Annen in Lübeck zu sehen sein. Die Preisübergabe findet mit der Eröffnung am 7. September statt, der Preis ist mit 25.000,- Euro dotiert.

Fragile Kunst gegen das Vergessen

Istanbul, 2003

Wo Andere sich abwenden, beginnt Salcedos Arbeit: Mit großer Sensibilität thematisiert sie in ihren Skulpturen und Installationen die tragischen Folgen von Gewalt als Konsequenz politischer und ökonomischer Herrschaftsansprüche und führt dabei den Betrachter auf die emotionale Ebene der Opfer und ihrer Angehörigen. Der seit fünf Jahrzehnten währende, bürgerkriegsähnliche Konflikt in ihrer Heimat Kolumbien ist Ausgangspunkt zahlreicher Projekte Salcedos, so verfremdet sie in „La Casa Viuda“ (1992-1995) Vertrautes aus dem häuslichen Alltag (wie Möbel oder Kleidungstücke) und schafft der Trauer um geliebte Menschen sowie um den Verlust der Heimat einen Raum. Auf der 8. Biennale in Istanbul (2003) stapelt sie, in einem einst von Angehörigen der griechischen und jüdischen Minderheit bewohnten Stadtviertel, 1.500 gebrauchte Stühle in einem engen Spalt zwischen zwei Häusern. Den Umgang Europas mit MigrantInnen nimmt sie 2007 in „Shibboleth“ (Tate Modern, London) in den Blick und hinterfragt mit einem langen und tiefen Riss im Betonboden der Turbinenhalle die Abschottungs- und Ausgrenzungsmechanismen der sogenannten ,ersten Welt'. Werke wie „A Flor de Piel“ (2011-2012), ein großes Tuch aus konservierten und filigran miteinander vernähten Rosenblättern, und „Plegaria Muda“ (2008-2010), übereinander gestapelte Holztische, aus denen feine Grashalme wachsen, rufen Stärke, Schönheit und Fragilität des Lebens in den Sinn und erinnern zugleich an die traurigen Schicksale einzelner Menschen.

Salcedo arbeitet nicht nur in künstlerischer Hinsicht äußerst umfassend und präzise, sondern auch im Hinblick auf die praktische Umsetzung ihrer Projekte, so bindet sie z.B. Opfer von Gewalt in die Erstellung ihrer Werke ein und verleiht ihnen dadurch eine Stimme. Die Künstlerin lebt in Bogotá, wo sie zuletzt ein „Anti-Monument“ aus einem Teil der rund 7.000 von den FARC-Rebellen abgegebenen Waffen erschaffen hat. Eingeschmolzen und bearbeitet werden diese als Bodenplatten für ein neues Museum im Zentrum der Stadt dienen, als Ort der Reflexion der langen Jahre gewalttätiger Konflikte in Kolumbien.

Ab dem 7. September gibt die Kunsthalle St. Annen mit der Ausstellung "Tabula Rasa" einen Einblick in die Arbeit der Künstlerin. Weitere Informationen finden Sie hier:

Pressemitteilung Possehl-Preis für Internationale Kunst - "Doris Salcedo - Tabula Rasa" [PDF]

Pressefotos "Doris Salcedo - Tabula Rasa" [PDF]

Press release Possehl Prize for International Art - "Doris Salcedo - Tabula Rasa" [PDF]

Nota de prensa Premio Internacional de Arte Possehl - "Doris Salcedo - Tabula Rasa" [PDF]

Kontakt

Possehl-Stiftung Lübeck
Beckergrube 38 – 52
23552 Lübeck
E-Mail: possehl-stiftung(at)possehl.de
Tel.: 0451 / 148-200

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