Possehl-Preis für Internationale Kunst

Mit dem Possehl-Preis für Internationale Kunst zeichnet die Lübecker Possehl-Stiftung lebende Künstlerinnen und Künstler mit nationalem und internationalem Renommee für ihr Lebenswerk oder eine herausragende Arbeit beziehungsweise Werkgruppe aus. Ab 2019 wird dieser alle drei Jahre vergeben. Für die Würdigung stehen eine außerordentliche künstlerische Auseinandersetzung und eine mindestens über ein Jahrzehnt hinaus andauernde kontinuierliche Leistung im Vordergrund, die eine besondere Anerkennung verdienen. Der Preis wird innerhalb der Sparten Skulptur, Installation, Neue Medien und Performance sowie Formen des künstlerischen Aktionismus im Nominierungsverfahren vergeben. Intermediale Bezüge vielfältiger künstlerischer Ausdrucksformen im Gesamtwerk werden verstärkt bei einer Preisvergabe berücksichtigt. Die Auszeichnung umfasst ein Preisgeld von 25.000,- Euro sowie die Ausrichtung einer Ausstellung in der Kunsthalle St. Annen, Lübeck.

Die kolumbianische Künstlerin Doris Salcedo erhält den ersten Possehl-Preis für Internationale Kunst

Die kolumbianische Künstlerin Doris Salcedo erhält den ersten Possehl-Preis für Internationale Kunst

Doris Salcedo

Die international renommierte Künstlerin Doris Salcedo (*1958) beschäftigt sich in Objekten, Skulpturen und großen ortsspezifischen Installationen mit den Auswirkungen von Gewalt und Ausgrenzung in ihrer Heimat Kolumbien und anderen Regionen der Welt. Salcedo findet, so die international besetzte Jury, „für politische Herrschaftssysteme, Rassismus und systematische Ungleichbehandlungen poetische Bilder“, und ihr Werk sei „von höchster Relevanz für unsere Gegenwart.“ Sieben Künstlerinnen und fünf Künstler aus neun Nationen waren im Vorfeld von einem ebenfalls international besetzten Vorschlagsgremium nominiert worden. Die erste Einzelausstellung Salcedos in Deutschland wird vom 7. September bis 10. November 2019 in der Kunsthalle St. Annen in Lübeck zu sehen sein. Die Preisübergabe findet mit der Eröffnung am 7. September statt, der Preis ist mit 25.000,- Euro dotiert.

Fragile Kunst gegen das Vergessen

Die kolumbianische Künstlerin Doris Salcedo erhält den ersten Possehl-Preis für Internationale Kunst

„Plegaria Muda“

Wo Andere sich abwenden, beginnt Salcedos Arbeit: Mit großer Sensibilität thematisiert sie in ihren Skulpturen und Installationen die tragischen Folgen von Gewalt als Konsequenz politischer und ökonomischer Herrschaftsansprüche und führt dabei den Betrachter auf die emotionale Ebene der Opfer und ihrer Angehörigen. Der seit fünf Jahrzehnten währende, bürgerkriegsähnliche Konflikt in ihrer Heimat Kolumbien ist Ausgangspunkt zahlreicher Projekte Salcedos, so verfremdet sie in „La Casa Viuda“ (1992-1995) Vertrautes aus dem häuslichen Alltag (wie Möbel oder Kleidungstücke) und schafft der Trauer um geliebte Menschen sowie um den Verlust der Heimat einen Raum. Auf der 8. Biennale in Istanbul (2003) stapelt sie, in einem einst von Angehörigen der griechischen und jüdischen Minderheit bewohnten Stadtviertel, 1.500 gebrauchte Stühle in einem engen Spalt zwischen zwei Häusern. Den Umgang Europas mit MigrantInnen nimmt sie 2007 in „Shibboleth“ (Tate Modern, London) in den Blick und hinterfragt mit einem langen und tiefen Riss im Betonboden der Turbinenhalle die Abschottungs- und Ausgrenzungsmechanismen der sogenannten ,ersten Welt'. Werke wie „A Flor de Piel“ (2011-2012), ein großes Tuch aus konservierten und filigran miteinander vernähten Rosenblättern, und „Plegaria Muda“ (2008-2010), übereinander gestapelte Holztische, aus denen feine Grashalme wachsen, rufen Stärke, Schönheit und Fragilität des Lebens in den Sinn und erinnern zugleich an die traurigen Schicksale einzelner Menschen.

Salcedo arbeitet nicht nur in künstlerischer Hinsicht äußerst umfassend und präzise, sondern auch im Hinblick auf die praktische Umsetzung ihrer Projekte, so bindet sie z.B. Opfer von Gewalt in die Erstellung ihrer Werke ein und verleiht ihnen dadurch eine Stimme. Die Künstlerin lebt in Bogotá, wo sie derzeit ein „Anti-Monument“ aus einem Teil der rund 7.000 von den FARC-Rebellen abgegebenen Waffen erschafft. Eingeschmolzen und bearbeitet sollen diese als Bodenplatten für ein neues Museum im Zentrum der Stadt dienen, als Ort der Reflexion der langen Jahre gewalttätiger Konflikte in Kolumbien.

Weitere Informationen zum Possehl-Preis für Internationale Kunst [PDF]

Pressemitteilung Possehl-Preis für internationale Kunst [PDF]

Press Release Possehl Award for International Arts [PDF]

Comunicado de prensa [PDF]


Possehl-Preis für Lübecker Kunst

2018 wurde erstmalig der Possehl-Preis für Lübecker Kunst ausgelobt. Dieser wird in den Jahren vergeben, in denen kein Possehl-Preis für Internationale Kunst verliehen wird. Über beide Preise entscheidet dieselbe Jury, diese ist besetzt mit Mitgliedern aus international bekannten Kunsthäusern. Der Possehl-Preis für Lübecker Kunst sieht ein Preisgeld zur Unterstützung der künstlerischen Arbeit einer Lübecker Künstlerin oder eines Lübecker Künstlers vor. Ausgezeichnet werden kann auch die Realisierung eines für die Hansestadt Lübeck relevanten Kunst-Projektes. Jeder in Lübeck lebende Künstler und jeder Künstler, der in Lübeck ausgewiesener Weise seinen Arbeitsmittelpunkt hat, kann sich mit einem Projekt für den Possehl-Preis für Lübecker Kunst bewerben. Eine Bewerbung ist wieder Anfang 2020 möglich, die Bewerbungsfrist wird dann auf unserer Homepage veröffentlicht.

Janine Gerber gewinnt Possehl-Preis für Lübecker Kunst 2018

Janine Gerber gewinnt Possehl-Kunstpreis für Lübecker Künstler 2018! - Foto: Felix König

Janine Gerber

Am 15. Mai 2018 entschied die Jury einstimmig, Janine Gerber den Possehl-Preis für Lübecker Kunst zu verleihen. Sie würdigte mit dieser Entscheidung „die Stringenz, mit der Janine Gerber in ihrem malerischen Werk genauso wie in ihren installativen Papierarbeiten mit der Beziehung von Raum und Bild arbeitet.“ Der Preis gibt der Künstlerin, die u.a. bei Katharina Grosse an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin studiert hat, die Möglichkeit, im Rahmen ihres Projektes „Was ich sehe, blickt mich an“ auf größer dimensionierte Räume künstlerisch zu reagieren. Wir freuen uns sehr mit Frau Gerber und wünschen ihr alles Gute für die Umsetzung ihres künstlerischen Vorhabens!

 

Hinweis:
© D. Salcedo, Foto: David Heald
© D. Salcedo; mit freundlicher Genehmigung der Galerien Alexander and Bonin, New York und  White Cube, London
© Felix König