Possehl-Musikpreis

Seit 1963 vergibt die Stiftung gemeinsam mit der Musikhochschule den Possehl-Musikpreis an besonders herausragende Musiker:innen, die in Lübeck an der Hochschule studieren. Ein wahrer Jury-Marathon geht der Prämierung voraus: Der Preis wird nicht innerhalb bestimmter Instrumentalkategorien vergeben, sondern alle Ausbildungssparten können sich hier miteinander messen. Die Jury steht also vor der Herausforderung, beispielsweise den Vortrag eines Organisten mit dem einer Geigerin und dem eines Sängers zu vergleichen. Das Preisträgerkonzert im Januar jeden Jahres ist ein abwechslungsreicher Abend voller Musik – ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Lübeck. Da viel Kammermusik erklingt, hat die Possehl-Stiftung kürzlich einen Preis für Klavierbegleitung eingeführt. Die Bedeutung der Klavierbegleiter:innen für einen gelungenen künstlerischen Vortrag soll damit besonders gewürdigt werden.

Hochschule und Stiftung haben außerdem einen neuen Wettbewerb ins Leben gerufen: den Possehl-Musikpreis in der Kategorie "Neue musikalische Aufführungskonzepte". Studierende, die zeitgenössische Konzertformate in Verbindung mit anderen Disziplinen oder neuen Medien entwickeln, konnten sich erstmalig im Januar 2019 im Rahmen dieses Wettbewerbes präsentieren.

Possehl-Preis in der Kategorie Neue musikalische Aufführungskonzepte

Komponistin Reika Hattori gewinnt Possehl-Wettbewerb

Die Komponistin Reika Hattori ist als Gewinnerin aus dem zweiten Possehl-Wettbewerb in der Kategorie „Neue musikalische Aufführungskonzepte“ hervorgegangen, der am 8. und 9. Juli in der MHL ausgetragen wurde. Die neunköpfige Jury unter Leitung von Christian Schwandt lobte die Unterschiedlichkeit der aufgeführten Konzepte und kürte die Japanerin für ihr multimediales Aufführungsprojekt „Wasser“ mit dem ersten Preis.

Die Japanerin Reika Hattori erhielt am Freitag im Rahmen eines nichtöffentlichen Preisträgerkonzertes den mit 4.000 Euro dotierten ersten Preis des Possehl-Wettbewerbs in der Kategorie „Neue musikalische Aufführungskonzepte“. Mit ihrer multimedialen Installation beschreibt Hattori ihre Suche nach Wasser, bei der sie auf seine verschiedenen Aggregatzustände trifft und schließlich in seiner flüssigen Form die Quelle des Lebens findet. Hattori arbeitete dabei mit eigenen Kompositionen, der Projektion von riesigen Videos und Bildern auf die Konzertorgel im Großen Saal sowie einer Licht-Show. Das im Konzertsaal verteilte Ensemble erzeugte mit Geige, Klarinette, Schlagzeug, Orgel und Live-Elektronik zusammen mit den starken visuellen Eindrücken eine erlebbare Wasserwelt. Dabei überzeugte Hattori die Jury mit ihrer ästhetischen Annäherung an das Thema, dem installativen Charakter ihrer Aufführung und der audiovisuellen Balance von Klang und Raum.

Reika HattoriReika Hattori studierte zunächst in Tokio und kam 2017 nach Lübeck, wo sie in der Klasse von Prof. Dieter Mack Komposition studierte sowie elektronische Musik bei Donny Karsadi. Für ihre Werke, in denen sie sich häufig mit dem Konzept der Dualität auseinandersetzt, gewannt sie bereits mehrfach Preise. Ihr Werk „Traitor“ für Violine und 17-Saiten-Koto wurde in Konzerten in Yokohama, New York und Kyoto gespielt und von „Mother Earth“ (http://www.mother-earth-publishing.com) veröffentlicht. Ihr Orchesterstück „Verführungen“ zählte zu den Finalisten beim Wettbewerb der 11. Saarbrücker Komponistenwerkstatt und wurde vom der SR/SWR Deutschen Radio Philharmonie unter Leitung von Manuel Nawri uraufgeführt. Derzeit studiert Hattori elektroakustische Komposition bei Kilian Schwoon an der Hochschule für Künste Bremen.

                 
                 
                 
                 

Weiterhin vergab die Jury zwei mit 1.500 Euro dotierte Prämien: Eine Prämie ging an Lena Seitz und Gregor Früh für das Projekt „Klimakrise.diesseits. Götterdämmerung – Musik für eine selbstgemachte Apokalypse“ für die überzeugende Konzertdramaturgie, mit der sie sich einem großen Thema angenähert haben. einer. Eigene Komposition, Improvisation und Musik verschiedener Epochen waren darin organisch miteinander verwoben. Eine zweite Prämie erhielt Orestis Papaioannou für die Entwicklung, Einstudierung und Leitung seiner Kammeroper für elfköpfiges Ensemble „Sketches of the House of Commons“.

Die MHL lobte den Possehl-Wettbewerb in der Kategorie „Neue musikalische Aufführungskonzepte“ bereits zum zweiten Mal aus, um Kompetenzen für zeitgenössische Musik im künstlerischen, pädagogischen und technischen Umgang zu fördern. In fünf Projekten wetteiferten Solisten, Ensembles und Komponisten der MHL mit rund 30-minütigen, multimedialen Projektpräsentationen um den mit insgesamt 7.000 Euro dotierten Preis. Dabei wurden die künstlerische Originalität und Qualität, der innovative Ansatz des Projektes sowie seine Machbarkeit bewertet. Zur hochkarätigen Jury unter Leitung von Christian Schwandt (Possehl-Stiftung) gehörten in diesem Jahr Prof. Inge-Susann Römhild (Possehl-Stiftung), Prof. Gerd Uecker (Vorsitzender MHL-Hochschulrat), Annette Schlünz (Komponistin), Thomas Fichter (Intendant Ensemble Musikfabrik), Oliver Wille (Intendant Sommerliche Musiktage Hitzacker), Annesly Black (Berliner Akademie der Künste), Prof. Rico Gubler (Präsident der MHL), Prof. Katharina Rosenberger (MHL) und Prof. Sascha Lino Lemke (MHL-Projektleitung).

Der neue Wettbewerb wurde 2018 konzipiert, nachdem der Bereich „Komposition“ im traditionellen Possehl-Wettbewerb keinen adäquaten Platz mehr fand. Hier steht nicht der klassische Musikvortrag, sondern vorwiegend zeitgenössische Kunst, kreative Darbietung, neue Medien und elektroakustische Performance im Vordergrund. Der nächste Possehl-Wettbewerb in der Kategorie „Neue Musikalische Aufführungskonzepte“ findet im Januar 2023 statt.


Der 57. Possehl-Musikpreis

Der 57. Wettbewerb um den Possehl-Musikpreis wurde am 17. und 18. November 2020 in der Musikhochschule Lübeck (MHL) entschieden. Die Jury kürte zwar keinen ersten Gewinner, dafür aber alle fünf Finalisten für ihre künstlerischen Leistungen. Publikum war in diesem Jahr aufgrund der Pandemie leider ausgeschlossen, es konnte den musikalischen Wettstreit aber live im MHL-Streaming mitverfolgen. 

Zwei zweite Preise gingen an die Fagottistin Ariane Bresch und die Bratschistin Gueli Kim. Ariane Bresch ist aus der Klasse von Prof. Pierre Martens. Die 23-jährige Französin ist Akademistin des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck und interessiert sich besonders für Barockmusik, Gesangsensemble und brasilianische Percussion-Musik. Die 28-jährige Südkoreanerin Gueli Kim aus der Klasse von Prof. Pauline Sachse ging aus verschiedenen nationalen und internationalen Wettbewerben bereits als Preisträgerin hervor und war Mitglied der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. 

 

Gueli Kim (Viola) & Ariane Bresch (Fagott)

Zwei dritte Preise gingen an den Bratschisten Bennet Morrice-Ortmann und den Cellisten Raphael Zinner. Der Pianist Lucas Huber-Sierra erhielt eine Prämie. Elf Studierende der Fächer Gesang, Klavier, Viola, Cello, Fagott, Flöte und Klarinette traten in der ersten Runde gegeneinander an, fünf von ihnen kamen ins Finale. Sie präsentierten ihre gut halbstündigen Programme mit anspruchsvollen und virtuosen Sonaten, Suiten und Konzerten unter anderem von Bach, Brahms, Beethoven, Schumann, Bartók und Hindemith in diesem Jahr nur vor der Jury im Großen Saal der MHL. Insgesamt vergab die neunköpfige Jury unter Vorsitz von Dr. Ole Krönert (Possehl-Stiftung) 10.000 Euro Preisgeld.

   

 v.l.:  Raphael Zinner (Violoncello), Bennet Morrice-Ortmann (Viola), Lucas Huber-Sierra (Klavier)

Jurorin Prof. Inge-Susann Römhild sagte: „Es ist ein Glück, dass der Wettbewerb trotz der gesellschaftlichen Gesamtsituation stattfinden konnte. Das ist auch der guten Vorbereitung zu verdanken. Uns ist es ein Anliegen, damit auf die Systemrelevanz von Musik und Kultur im Allgemeinen und auf ihre Bedeutung für die Gesellschaft hinzuweisen.“ Zu den weiteren Juroren gehörten in diesem Jahr der Vorsitzende Professor Gerd Uecker (Vorsitzender des Hochschulrates), Dr. Christian Strehk (Kieler Nachrichten) und Stefan Vladar (Generalmusikdirektor Theater Lübeck) mit. Die MHL-Professorenschaft vertraten Lena Eckels, Rico Gubler, Diethelm Jonas und Otto Tolonen.

Das Preisträgerkonzert soll am 10. Juli 2021 stattfinden und Gelegenheit bieten, die Preisträger noch einmal live zu erleben.


Seit 2019: ein Possehl-Preis für neue musikalische Ideen

Den ersten Possehl-Musikpreis in der Kategorie "Neue musikalische Aufführungskonzepte" erhielt im Januar 2019 die MHL-Studentin Eirini Aravidou. Die Auszeichnung wurde ihr für ihre besondere Kreativität in Konzept und Aufführung verliehen. Die 22-jährige Griechin, die in der Schlagzeugklasse von Professor Johannes Fischer studiert, überzeugte die Jury mit ihrer audiovisuellen Performance „Hands“, in welcher menschliche Hände mit ihrem vielfältigen musikalischen und gestischen Umgang im Mittelpunkt standen. 

Der nächste Wettbewerb in dieser Kategorie wird im Juli 2021 im Vorfeld des - ansonsten immer in Februar stattfindenden - Preisträgerkonzerts stattfinden.

Kontakt

Possehl-Stiftung Lübeck
Beckergrube 38 – 52
23552 Lübeck
E-Mail: possehl-stiftung(at)possehl.de
Tel.: 0451 / 148-200

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